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Zink
lebenswichtig und hochgefährlich


Unzählige Male wurde schon in Zeitschriften, Magazinen und in diversen Foren darüber berichtet und inzwischen dürfte den allermeisten Papageienhaltern bekannt sein, dass Zink nicht nur ein lebensnotwendiges Spurenelement ist, sondern auch erhebliche gesundheitliche Schädigungen hervorrufen kann, wenn Vögel mit Zinkgegenständen in Berührung kommen. Und dennoch kann man es nicht oft genug sagen.

Zum einen ist die Aufnahme von Spurenelementen, zu denen auch Zink zählt, lebenswichtig. Wird dem Körper in einem Übermaß Zink zugeführt, wird es aber lebensbedrohlich. Deshalb unterscheiden wir hier zwischen notwendige Zinkaufnahme und einer Zinkvergiftung.


I. Die notwendige Zinkaufnahme

Zink ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, auch wenn die Funktion im Vogelorganismus noch nicht wissenschaftlich fixiert ist. Zink ist wichtig für den Aufbau zahlreicher Enzyme, die aus Eiweißverbindungen bestehen und den Stoffwechsel anregen. Ohne auf wissenschaftliche Details eingehen zu wollen, hier nur die wichtigsten Funktionen einiger zinkhaltiger Enzyme:

  • Roten Blutkörperchen enthalten das zinkhaltige Enzym Carbonanhydrase, das Kohlendioxid aus dem Organismus entsorgt.

  • Ebenfalls in den roten Blutkörperchen: das Enzym Superoxiddismutase. Es ist äußerst wichtig für Wundheilungsprozesse und bindet freie Sauerstoffradikale, die z.B durch Stress entstehen und die in überhöhter Anzahl Erbgut und Zellmembranen schädigen können.

  • In der Leber wirkt das Enzym Alkoholdehydrogenase, das für die Umwandlung von Pro-Vitamin A (Beta-Karotin) in Vitamin A (Retinol) sorgt. Vitamin A ist Bestandteil der Netzhaut, für das Wachstum und für Haut, Schleimhäute, Knorpel- und Knochengewebe notwendig.

  • Andere zinkhaltige Enzyme sind zuständig für den Verdauungsprozess, für die Bildung körpereigener Eiweißstoffe und für die Erneuerung der DNA.

Zink wirkt aber auch auf verschiedener Hormone wie Insulin und das Thymulin. Insulin ist notwendig um körpereigenen Traubenzucker (Glukose) aus dem Blut durch die Zellwände (Zellmembranen) in die Muskel- und Fettgewebezellen zu transportieren. Steht dem Organismus nicht ausreichend Insulin zur Verfügung, kommt es zu einer Überzuckerung (Diabetes) und zu einer Unterversorgung von Glukose.
Thymulin regt die Bildung von Abwehrzellen des Immunsystems an, die Krankheitserreger erkennen und Abwehrzellen des Immunsystems aktivieren.

Zink wird vom Organismus in Leber, Knochen und Muskelgewebe gespeichert, diese werden aber sehr schnell abgebaut. Der Organismus muss deshalb täglich mit einer ausreichenden zinkhaltigen Nahrung versorgt werden. Diese Versorgung für Vögel in ausreichender Menge zu gewährleisten ist nicht ganz einfach. Obst und Früchte enthalten fast gar kein Zink und Gemüse nur sehr wenig.
Deutlich mehr Zink ist in Nüssen und Hülsenfrüchten zu finden, wobei Nüsse wieder wegen des hohen Fettgehaltes nur sehr wenig gegeben werde sollten. Hülsenfrüchte sollten wegen der besseren Verdaulichkeit nur in gekeimtem Zustand verfüttert werden.
Allerdings enthalten Getreidekörner genauso wie Ölsaaten (Sonnenblumenkerne, Leinsamen und Kürbiskerne, Hülsenfrüchte und Nüsse) Phytinsäure, die im Dünndarm mit Zink und anderen wichtigen Mineralstoffen wie Calcium und Eisen, eine schwerlösliche Verbindung eingeht und nicht mehr verdaut werden kann. Dadurch steht dem Organismus das notwendige Zink nicht mehr zur Verfügung.
Wesentlich höher ist der Zinkgehalt in Kräutern wie Basilikum, Thymian, Rosmarin, Estragon oder Kümmel. Jedoch ist eine ausreichende Versorgung mit Zink hierdurch nicht zu gewährleisten. Zur Abdeckung des Zinkbedarfes kann deshalb ungesalzener Bio-Hüttenkäse, ein hart gekochtes Eigelb oder diverse Futterzusatzstoffe gefüttert werden.

Entsprechend vielfältig können Symptome und Beeinträchtigungen des Gesundheitszustandes durch Zinkmangel sein:

  • allgemeine Schwäche und Teilnahmslosigkeit
  • Anfälligkeit für Infektionen
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Funktionsstörungen der Hautdrüsen / Bürzeldrüse
  • hormonelle Veränderungen
  • Schilddrüsenfehlfunktion
  • schlechte Wundheilung
  • Veränderungen des Gefieders (Federverlust oder Trockenheit)
  • Veränderungen der Haut (Trockenheit oder Schuppenbildung)
  • Wachstumsstörungen bei Jungvögeln

Eine Zink-Unterversorgung kann sich auch trotz optimaler Versorgung vorkommen, wenn das Futter Bestandteile enthält, die eine Aufnahme des Zinks durch den Organismus verhindern (wie oben beschrieben Phytinsäure in Samenkörnern) oder eine Überversorgung an Calcium, Eisen und Kupfer besteht. Letzteres ist bei Papageien allerdings sehr unwahrscheinlich.



II. Zinkvergiftung

Als Haustiere gehalten Papageien sind der sehr großen Gefahr ausgesetzt, dass sie Zink über ein gesundes Maß hinaus aufnehmen und an einer akuten oder chronischen Zinkvergiftung erkranken. Das ist immer dann der Fall, wenn im Umfeld der Tiere sehr viele Gegenstände erreichbar sind, die zinkbeschichtet sind.
Viel zu selten achten die Halter auf evtl. Zinkbeschichtungen und wissen viel zu wenig über die Gefahren, die sich durch eine Zinkvergiftung ergeben.
Zink wird als Rostschutz verwendet und kommt oftmals in vielfältiger Weise in einer Voliere vor. Draht von Käfigen oder Zimmervolieren, Futtergefäße, Spielzeug, Schrauben und Unterlegscheiben u.s.w. Papageien finden es toll, alle möglichen und unmöglichen Gegenstände zu erkunden, zu untersuchen und auch abzulecken. So bekommen sie Kontakt mit diesem Zink und nehmen es auf. Ganz gleich ob die Elemente Feuerverzinkung oder galvanische Verzinkung sind, die Gefahr der gesundheitlichen Schädigung geht von beiden Oberflächen aus.
Nach der Aufnahme des Zinks kommt es im Magen zu einer chemischen Reaktion mit der Magensäure. Dabei entsteht das hochgiftige und ätzende Zinkchlorid, das zu einer akute Zinkvergiftung führt.
Symptome dieser akuten Vergiftung sind Erbrechen durch qualvolle innere Verätzungen sowie blutiger grünfarbener Durchfall, Verweigerung der Nahrungsaufnahme. Werden diese Symptome nicht erkannt oder in besonders schweren Fällen kommt es dann zu Muskelzittern und Lähmungen die bis zum Kollaps und zum Tod führen. Verschiedenen Berichte zu Folge ist nicht nur die direkte Aufnahme Auslöser einer Zinkvergiftung, sondern auch das Einatmen des bei der Einwirkung von Luftfeuchtigkeit auf Zink entstehenden Kohlendioxids.
Papageien die dauerhaft verzinktem Stahl ausgesetzt sind werden über kurz oder lang die gleichen Symptome zeigen wie sie weiter oben unter „Zink Überversorgung“ beschrieben wurden. Im Magen bildet sich das giftige Zinkchlorid und führt zu einer chronische Zinkvergiftungen. Diese greift den den gesamten Organismus an, der Organismus kann den Zinküberschuss nicht mehr abbauen.
Befindet sich zu viel Zink im Körper, bindet es das über die Nahrung aufgenommene Eisen, Calcium und Kupfer. Calcium ist für den Knorpel- und Knochenbau wichtig. Eisen ist für die roten Blutkörperchen wichtig die den Sauerstoff an sich binden. Kupfer ist u.a. für die Gefiederbildung wichtig. Fehlen diese Substanzen im Körper, wird der Vogel Mangelerscheinung der jeweiligen Spurenelemente aufweisen. Die Gefahren sind vielfältig: Muskelkrämpfe, Knochenbrüche insbesonders der Flügel, beeinträchtigung der Herzfunktion, Müdigkeit und geringer Bewegungsbereitschaft, Atemnot, verminderte Nahrungsaufnahme und trockene Haut, Schädigungen des Gefieders und Legenot bei Hennen.
Als Ursache dann eine Zinkvergiftung auszumachen ist auch für sehr erfahrene Tierärzte nur sehr schwer.

Doch nicht nur Zink wird als Rostschutzbeschichtung für Gegenstände aus Stahl eingesetzt, sondern auch eine Legierung aus Zink und Kupfer, die besser bekannt ist unter dem Namen Messing. Der im Messing enthaltene Zinkanteil beträgt rund 35%.
Die Vergiftungsgefahren die von Messing ausgehen sind damit eben so groß wie vom reinem Zink. Durch den Kupferanteile verstärken sich die Gefahren sogar erheblich. Bei Papageien die Messingpartikelchen von Gegenständen abnagen und verschlucken, bildet sich im Magen unter Einwirkung der Magensäure nicht nur das giftige Zinkchlorid, sondern auch das ebenso giftige Kupferchlorid.

Eine US-Untersuchung aus den 90’ern zeigt, wie ernst Zinkvergiftungen und die Folgen zu nehmen sind:
Demnach wurde bei 37 von 43 verdächtigen Kakadus eine Zinkvergiftung nachgewiesen, unter diesen befanden sich 34 Rupfer. Durch therapeutische Maßnahmen gegen die Zinkvergiftung stellten 33 Tiere das Rupfen ein.
Das Ergebnis dieser Untersuchung ist sicher nicht repräsentativ, sollte aber für Tiermediziner und Halter gleichermaßen Anlass sein sich mit dieser Problematik auseinander zu setzen. In erster Linie gilt es alle Materialen und Gegenstände die Zink und/oder messinghaltig sind aus Käfigen oder Volieren zu entfernen.

Behandlung:
Leider gibt es keine effektiven Behandlungsmethoden. Wie an anderer Stelle schon einmal beschrieben hatten unsere Wellensittiche damals "zum Glück" viel erbrochen. Man kann versuchen durch Gabe von Kohle (zerkleinert und massiv z.B. in Jogurt eingerührt) das Zink halbwegs zu binden und abzuführen. Da Zink aber fast gar keine Verbindung aufnimmt, kann es auch so gut wie gar nicht ausgeschieden werden.
Ca-EDTA heißt eine Substanz, die nicht nur sehr teuer sondern auch nur schwer zu bekommen ist. Selbst unter den vogelkundigen Tierärzte kennen nur wenige das verschreibungspflichtig Konzentrat, geschweige die richtige Dosierung. Das Präparat muss stark verdünnt mehrmals gespritzt werden.
Eine andere, weniger effektivere Variante ist D-Penicillamin. Allerdings ist das für Schwermetalvergiftungen gedachte D-Penicillamin nicht unumstritten, da es Leber und Nieren stark belastet.



Wichtige Anmerkung:
Papageien rupfen sich nicht nur wenn eine Zinkvergiftung vorliegt! Die Ursachen des Rupfens sind ebenfalls vielfältig und die Zinkvergiftung stellt nur eine Möglichkeit dar.


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Letzte Aktualisierung dieser Seite vom 18.01.2009